PFAS sind eine Gruppe von Tausenden synthetischer Chemikalien, die aufgrund ihrer Hitzebeständigkeit und Feuchtigkeitsbeständigkeit seit Jahrzehnten in industriellen Anwendungen eingesetzt werden. In der Solarmodulindustrie kommen sie häufiger vor, als vielen Projektentwicklern und Installateuren bewusst ist. Für Unternehmen, die an groß angelegten gewerblichen Dachanlagen arbeiten und gleichzeitig ernsthafte Nachhaltigkeitsziele verfolgen, ist die Überprüfung auf PFAS-freie Solarmodule keine Nebensache mehr. Sie ist Teil einer verantwortungsvollen Beschaffung und einer zukunftssicheren Projektplanung.
Die Frage, wie man PFAS-freie Solarmodule erkennt und überprüft, lässt sich nicht immer einfach beantworten. Die Hersteller sind hinsichtlich der genauen Materialzusammensetzung ihrer Module nicht immer transparent, und die einschlägigen Vorschriften unterliegen ständigen Änderungen. Dieser Artikel bietet einen praktischen Leitfaden für alle, die Solarmodule auf PFAS überprüfen und bei der Auswahl nachhaltiger PV-Module bewusste Entscheidungen treffen möchten.
Wo PFAS in Solarmodulen vorkommen
PFAS tauchen in Solarmodulen an Stellen auf, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Die häufigste Quelle ist die Rückseite des Moduls, die die empfindlichen elektrischen Komponenten vor Feuchtigkeit, UV-Strahlung und mechanischer Beanspruchung schützt. Viele Hersteller verwenden in dieser Schicht Fluorpolymere wie PVDF (Polyvinylidenfluorid) oder PTFE aufgrund ihrer hervorragenden Barriereeigenschaften.
Darüber hinaus können PFAS im Verkapselungsmaterial, das die Solarzellen umhüllt und schützt, sowie in bestimmten Beschichtungen auf den Glasoberflächen herkömmlicher Module vorkommen. Auch in den Produktionsprozessen einiger Hersteller werden PFAS als Prozesschemikalien eingesetzt, was in den Endspezifikationen des Produkts nicht immer ersichtlich ist. Dies macht die Überprüfung von PFAS-freien PV-Modulen schwieriger als die Überprüfung anderer Materialeigenschaften.
Produktdokumentation und Zertifizierung als Nachweismittel
Der zuverlässigste Weg, um zu überprüfen, ob ein Solarmodul PFAS-frei ist, beginnt bei der Produktdokumentation. Ein vollständiges und transparentes technisches Datenblatt listet die verwendeten Materialien für jede Komponente auf, einschließlich der Rückseitenfolie und des Vergussmaterials. Fehlen diese Informationen, ist dies an sich schon ein Grund, nachzufragen.
Zertifizierungen bieten zusätzliche Sicherheit, erfordern jedoch gewisse Kenntnisse darüber, was sie abdecken und was nicht. IEC-Normen wie IEC 61215 und IEC 61730 prüfen die Sicherheit und Leistung von Modulen, beziehen sich jedoch nicht speziell auf die chemische Zusammensetzung. Relevanter sind in diesem Fall REACH-Erklärungen (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) und RoHS-Konformitätserklärungen, die Aufschluss über das Vorhandensein gefährlicher Stoffe geben. Fragen Sie außerdem nach einer vollständigen Stückliste (Bill of Materials, BOM) oder einer Materialerklärung, die ausdrücklich die Abwesenheit von PFAS bestätigt.
Rückverfolgbarkeit als zusätzliche Verifizierungsstufe
Eine wachsende Zahl innovativer Hersteller bietet digitale Rückverfolgbarkeitssysteme an, die für jedes einzelne Modul Aufschluss über die verwendeten Materialien und deren Herkunft geben. Solche Instrumente, vergleichbar mit dem C_passport®, den Solarge jedem Modul zuordnet, ermöglichen es, Materialflüsse nachzuverfolgen und eine PFAS-freie Zusammensetzung nachzuweisen. Für die ESG-Berichterstattung und Nachhaltigkeitsaudits wird diese Art der Dokumentation immer häufiger verlangt.
Fragen, die Sie einem Hersteller zum Thema PFAS stellen sollten
Eine gute Dokumentation beginnt mit den richtigen Fragen. Nicht jeder Hersteller informiert proaktiv über die chemische Zusammensetzung seiner Produkte, aber ein seriöser Lieferant kann konkrete Antworten auf gezielte Fragen geben.
Stellen Sie jedem Lieferanten die folgenden Fragen:
- Welches Material wird für die Rückseite verwendet, und enthält dieses Fluorpolymere oder andere PFAS-Verbindungen?
- Liegt eine vollständige Materialdeklaration vor, die die PFAS-Freiheit bestätigt?
- Werden PFAS auch im Produktionsprozess selbst als Prozesschemikalien verwendet?
- Entspricht das Produkt den REACH-Vorschriften und liegt eine aktuelle Konformitätserklärung vor?
- Wie werden die Module am Ende ihrer Lebensdauer entsorgt, und lassen sich die Materialien ohne PFAS-bedingte Komplikationen recyceln?
Ein Hersteller, der diese Fragen nicht eindeutig beantworten kann oder auf allgemeine Zertifizierungen ohne konkrete Materialangaben verweist, bietet keine ausreichende Transparenz für Projekte, bei denen Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Vorschriften im Mittelpunkt stehen.
Polymerbasierte Platten als PFAS-freie Alternative
Ein grundlegend anderer Ansatz im Umgang mit PFAS in Solarmodulen besteht darin, sich für einen Modultyp zu entscheiden, der von Haus aus keine PFAS enthält. Polymerbasierte Solarmodule, die mit thermoplastischer Technologie entwickelt wurden, kommen ohne Glas, Aluminium und Fluorpolymere aus. Die Materialzusammensetzung unterscheidet sich somit von Anfang an von der herkömmlicher Glasmodule.
Auf der Grundlage dieses Prinzips hat Solarge seine SOLO- und SOLO Ultra Low Carbon-Module entwickelt. Diese Module enthalten keine PFAS und sind vollständig recycelbar, was nicht nur die chemische Belastung während der Lebensdauer verringert, sondern auch die Entsorgungsproblematik am Ende der Lebensdauer beseitigt. Da die 50%-Module leichter sind als herkömmliche Glasmodule, eignen sie sich zudem für Dächer, die die Belastung durch konventionelle Anlagen nicht tragen können. Für groß angelegte gewerbliche Dachprojekte bietet dies eine Kombination aus technischen und Nachhaltigkeitsvorteilen, die mit Standard-Glasmodulen nur schwer zu erreichen ist.
Die Entscheidung für nachhaltige Solarmodule auf Polymerbasis ist somit nicht nur eine umweltbewusste Entscheidung, sondern auch eine strategische Wahl für Projekte, bei denen die PFAS-Freiheit nachweisbar sein muss.
PFAS-Vorschriften und ihre Auswirkungen auf Großprojekte
Die Rechtsvorschriften zu PFAS wurden in Europa in den letzten Jahren deutlich verschärft, und diese Entwicklung setzt sich auch im Jahr 2026 fort. Die Europäische Union arbeitet an einer umfassenden PFAS-Beschränkung im Rahmen von REACH, die eine große Anzahl von Fluorverbindungen verbieten oder stark einschränken würde. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Herstellung und den Einsatz von Solarmodulen mit fluorhaltigen Rückseitenfolien oder Beschichtungen.
Für Projektentwickler und Installateure, die derzeit in Großanlagen mit einer erwarteten Lebensdauer von 25 Jahren oder mehr investieren, stellt dies ein erhebliches Risiko dar. Module, die heute den geltenden Normen entsprechen, könnten in einigen Jahren strengere Anforderungen nicht mehr erfüllen, was Fragen hinsichtlich Garantien, Wiederverwendung und Entsorgung am Ende des Lebenszyklus aufwirft. Durch die Entscheidung für PFAS-freie PV-Module wird dieses regulatorische Risiko strukturell vermieden.
Darüber hinaus stellen immer mehr Auftraggeber und Geldgeber die Bedingung, dass Projekte nachweislich ESG-Kriterien erfüllen, darunter auch die Verwendung von Stoffen, die auf europäischen Beschränkungslisten stehen. Die PFAS-Freiheit ist somit nicht nur eine technische Spezifikation, sondern ein wirtschaftliches Auswahlkriterium, das bei der Ausschreibung und Finanzierung kommerzieller Solarenergieprojekte zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wer heute bei der Materialauswahl die richtigen Entscheidungen trifft, baut ein Portfolio auf, das auch langfristig nachhaltig ist.